In unseren Präventionsworkshops zum Schutz vor sexueller
Gewalt erzählen uns Kinder und Jugendliche davon, was sie schon erlebt haben
an Beschimpfungen, Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen.
Diese Fragen und Geschichten zeigen, dass die Konfrontation mit Gewalt, auch
mit sexueller Gewalt, heutzutage als Teil der Entwicklung von Kindern gesehen
werden muss. Dies löst verständlicherweise bei Eltern Ängste und
Befürchtungen aus. Es gibt für Eltern viele Möglichkeiten, ihre Kinder zu
stärken und zu schützen.
In der Prävention sexueller Gewalt mit Kindern ist das Ziel, ihr
Selbstbewusstsein und ihr Vertrauen in die eigenen Gefühle zu fördern. Die
eigenen Gefühle sind oft ein sehr gutes Warnsignal für Kinder und
Jugendliche. Es ermöglicht ihnen, Grenzverletzungen und bedrohliche
Situationen rechtzeitig zu erkennen.
Die beste Vorbeugung gegen sexuelle Übergriffe ist, ein Gesprächsklima zu
schaffen, in welchem Kinder wissen, dass über das Thema sexuelle Gewalt offen
gesprochen werden darf.
Soll ich mit meinem Kind direkt über
sexuellen Missbrauch sprechen oder soll ich das Thema lieber nur andeuten?
Ich will nicht, dass mein Kind nach einem solchen Gespräch jeden Erwachsenen
misstrauisch betrachtet, wie soll ich das machen?
Kinder ab sechs Jahren sollten wissen, dass es so etwas wie sexuelle
Übergriffe gibt. Wenn man mit Kindern über das Thema spricht, ist es gut, in
einer behutsamen, aber klaren Weise darüber zu sprechen. Wenn Kinder über das
Thema sprechen, benutzen sie meist Wörter wie Es ist etwas Blödes, etwas
Komisches passiert. Es ist gut, wenn Eltern an diese kindgerechte Sprache
anknüpfen.
Sinnvoll ist es, das Thema sexuelle Gewalt nicht mit dem positiven Thema des
Verliebtseins zu vermischen, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten mit dem
Kind darüber zu reden.
Vor dem Einschlafen sollen diese Fragen nicht mit Kindern besprochen werden.
Soll ich meine Tochter in
einen Selbstverteidigungskurs schicken?
Und was ist mit meinem Sohn? Er glaubt immer, dass er James Bond ist und ihm
sowieso nichts passiert.
Am Sinnvollsten ist es, wenn ihre Tochter oder ihr Sohn in der Schule ein
Präventionsprogramm, einen speziellen Selbstverteidigungskurs besuchen kann.
Das hat Vorteile, einerseits ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn Schulen aktive
Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt leisten und Präventionsworkshops für
Kinder an der Schule anbieten. Andererseits ist es empfehlenswert, wenn diese
Workshops als Schulprojekt, das heißt im Alltag von Kindern und Jugendlichen
stattfinden.
Bei unseren nach Geschlechtern getrennten Workshops sind Alltagsgeschichten
über Grenzverletzungen und Geschichten von sexuellen Übergriffen und
Bedrohungen in Form von Rollenspielen das Herzstück des Programms. Dieses ist
als mentale Vorbereitung für kritische Situationen gedacht.
Anhand der Rollenspiele werden verschiedene Selbstverteidigungsstrategien
geübt.
Meine Tochter würde nie mit
einem Fremden mit gehen, aber in ihrer Schulklasse gibt es sexuelle
Belästigungen und Schimpfwörter von Buben den Mädchen gegenüber.
Die Lehrerin sagt die Kinder sollen das untereinander regeln.
Wenn man von sexuellen Übergriffen unter Kindern spricht, verwendet man noch
nicht den Begriff sexueller Missbrauch, weil in den meisten Fällen das
Machtgefälle nicht so groß ist wie zwischen einem erwachsenen Täter und einem
Kind.
Bei sexuellen Übergriffen in der Schule ist es erforderlich, dass die
LehrerInnen eine aktive Rolle einnehmen.
Das aktive Eingreifen ist wichtig, damit das Verhalten von Buben, die sich
durch aggressives sexuelles Verhalten hervortun, sanktioniert und rechtzeitig
gestoppt wird.